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Über Sexualität sprechen: Du brauchst keine fertige Antwort

Du möchtest über deine Sexualität sprechen, weisst aber selbst noch nicht genau, was du willst? Drei Fragen helfen dir, eigene Beobachtungen von Vermutungen zu unterscheiden und einen Anfang zu finden.

AwakynX by Ismael Hasbi
8952 Schlieren (ZH), Schweiz

Von Ismael Hasbi, Sexcoach und ganzheitlicher Sexualberater, Gründer von AwakynX

«Was möchtest du denn?»

Gute Frage. Du würdest sie selbst gerne beantworten können.

Du merkst, dass du dir beim Sex etwas anderes wünschst. Was genau, kannst du noch nicht sagen. Also sprichst du es lieber nicht an. Du möchtest schliesslich kein Gespräch beginnen, bei dem du schon auf die erste Rückfrage keine Antwort hast.

Nur: Muss ein Gespräch wirklich damit beginnen, dass du bereits alles erklären kannst?

Für mich nicht. Auch ein ehrliches «Ich versuche gerade, das herauszufinden» ist ein Anfang. Die folgenden drei Fragen können dir helfen, genauer hinzuschauen und Worte dafür zu finden.

Was bemerkst du tatsächlich?

Nehmen wir einen konkreten Gedanken:

«Ich weiss beim Sex häufig nicht, was ich selbst möchte.»

Bleib für einen Moment bei einer Situation, in der dir das aufgefallen ist. Was ging dir durch den Kopf? Worauf hast du geachtet? Was hättest du gerne gesagt?

Eine genauere Beschreibung könnte lauten:

«Wenn mein Gegenüber mich fragt, was ich möchte, überlege ich zuerst, welche Antwort gut ankommen würde. Was ich selbst gerade spüre, nehme ich dabei kaum wahr.»

Damit hast du noch nicht erklärt, weshalb das so ist. Aber du hast etwas beschrieben, worüber sich sprechen lässt.

Das ist ein anderer Ausgangspunkt als «Ich bin einfach kompliziert» oder «Mit mir stimmt etwas nicht». Diese Urteile sagen wenig darüber aus, was in der konkreten Situation passiert.

Beschreiben ist etwas anderes als dich bewerten.

Du musst dich dafür nicht während jeder Begegnung beobachten. Es reicht, später einen Moment aufzugreifen, der dich beschäftigt hat.

Was vermutest du, ohne es sicher zu wissen?

Aus einer Beobachtung kann schnell eine ganze Geschichte werden.

«Ich spreche meine Wünsche kaum aus» wird zu «Mein Gegenüber wäre bestimmt verletzt, wenn ich etwas anderes möchte».

Das ist eine Befürchtung. Ob die andere Person tatsächlich so reagieren würde, weisst du damit noch nicht.

Auch Erwartungen an dich selbst können dazukommen: «Ich sollte doch längst wissen, was ich will.»

An dieser Stelle lohnt sich ein Blick darauf, welche Vorstellungen du über Sexualität mitgenommen hast. Kennst du den Satz «Darüber spricht man nicht»? Oder die Vorstellung, guter Sex müsse von selbst funktionieren, ohne dass man etwas erklären oder besprechen muss?

Solche Botschaften können aus dem Aufwachsen, dem eigenen Umfeld oder früheren Beziehungen stammen. Du kannst prüfen, ob du ihnen heute noch zustimmst, statt sie ungefragt zum Massstab für dein Erleben zu machen.

«Was möchte ich?» ist eine andere Frage als «Was sollte ich wollen?»

Es geht dabei nicht darum, für jede Unsicherheit eine Ursache in deiner Vergangenheit zu finden. Hilfreich ist zunächst, auseinanderzuhalten, was du bemerkst, was du befürchtest und was du von dir erwartest.

Du könntest es so ausdrücken:

«Ich merke, dass ich meine Wünsche kaum ausspreche. Ich vermute, dass ich Angst vor der Reaktion habe. Sicher bin ich mir noch nicht.»

Damit lässt du offen, was noch offen ist, und sagst trotzdem etwas Wesentliches.

Was möchtest du als Nächstes verstehen oder ansprechen?

Aus deiner Beobachtung kann nun eine Frage werden, der du nachgehen möchtest.

Beim Beispiel von vorhin könnte sie lauten:

«Wie merke ich überhaupt, was ich selbst möchte, bevor ich mich nach meinem Gegenüber richte?»

Du kannst auch einen konkreten Wunsch für das Gespräch formulieren. Etwa, dass du erst einmal erzählen möchtest, ohne sofort gemeinsam eine Lösung zu suchen.

Ein Anfang könnte sich so anhören:

«Mir fällt auf, dass ich beim Sex oft mehr darüber nachdenke, ob es für dich stimmt, als darüber, was ich selbst möchte. Ich weiss noch nicht genau, weshalb. Darüber würde ich gerne mit dir sprechen.»

Und eine Bitte dazu:

«Kannst du mir erst einmal zuhören? Ich suche gerade noch nach Worten.»

So weiss dein Gegenüber, worum es dir geht und was du gerade brauchst. Du musst dafür weder deine gesamte Sexualität erklären noch bereits einen Vorschlag haben, was beim nächsten Mal anders laufen soll.

Unsicherheit verpflichtet dich zu nichts

Offen darüber zu sprechen, dass du etwas noch nicht weisst, bedeutet nicht, alles ausprobieren zu müssen.

Ein «Ich weiss noch nicht, ob ich das möchte» ist keine Zustimmung. Du darfst dir Zeit nehmen, etwas ablehnen oder eine Situation beenden, auch wenn du deine Gründe noch nicht vollständig erklären kannst.

Genauso darf ein Gespräch zunächst einfach ein Gespräch bleiben. Ein Gedanke muss nicht unmittelbar umgesetzt werden, und dein Gegenüber muss nicht sofort eine passende Antwort darauf haben.

Neugier und Grenzen schliessen sich nicht aus.

Du kannst auch allein anfangen

Für diese Fragen brauchst du keine Partnerschaft. Du kannst sie zunächst für dich bewegen oder in eine Beratung mitbringen.

Dabei muss aus einem unklaren Gefühl nicht erst ein grosses Problem werden. Es reicht, dass dich etwas beschäftigt und du genauer hinschauen möchtest.

Bei AwakynX geht es mir nicht darum, dir möglichst schnell zu sagen, wie deine Sexualität sein sollte. Ich möchte mit dir herausfinden, was du tatsächlich erlebst, welche Vorstellungen dabei eine Rolle spielen und was für dich stimmig ist.

Du brauchst keine fertige Antwort, um ein ehrliches Gespräch zu beginnen.

Über Ismael und AwakynX

Ich bin Ismael Hasbi, Sexcoach und ganzheitlicher Sexualberater. Mit AwakynX begleite ich Erwachsene im Einzelsetting in Schlieren bei Zürich, online nach Absprache.

Du kannst mit Fragen zu Lust, Leistungsdruck, Scham, eigenen Wünschen oder Grenzen zu mir kommen. Auch dann, wenn dein erster Satz lautet: «Ich weiss noch nicht genau, wie ich das erklären soll.»

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