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Es träumte mir...

Wenn du auf die Zeichen an deinem Wegesrand achtest, bekommst du alles was du brauchst und wissen sollst. Manchmal sind auch Träume eine Perle die du deiner annehmen darfst und die Botschaft erkennen. Oft ist auch eine ''dunkle'' Botschaft lichtvoller als du anfangs denkst.

Lukas Stefan Ackermann
Farnern, Schweiz

Es träumte mir …

Wir waren zu zweit unterwegs.
Die Welt, durch die wir reisten, erinnerte mich irgendwie an Mittelerde. Und doch war es unsere Erde. Nur anders. Magischer. Ursprünglicher. Fast mittelalterlich. In meiner Tasche trug ich einige Karten. Eine sah alt aus, ein braunes Papier - vielleicht sogar Leder - und dort war unser Ziel eingezeichnet: ein mystischer Ort am oberen Ende der Karte.
Wir wussten nicht wirklich, was uns dort erwartete.
Wir wussten nur: Wir wollten dorthin.

Irgendwann auf unserer Reise kamen wir auf ein großes, weitläufiges Feld. Überall waren Reisende, Suchende und Wanderer. Sie alle wollten zu diesem verheissungsvollen Ort auf der Karte.
Doch keiner wusste wirklich, wie man dorthin gelangte.
Von diesem Feld aus führten unzählige Wege in verschiedene Richtungen. Wälder erstreckten sich vor uns und Pfade verschwanden irgendwo in der Ferne. Viele der Suchenden verirrten sich von diesem Punkt an.
Wir jedoch kamen zu einem Zelt. Darin sass ein Mann, der den Weg kannte.

Die Passage

In der Nähe erhob sich eine gewaltige Felswand, die sich weit über das Land erstreckte.
Und irgendwo in dieser Felswand befand sich eine Passage.
Der Pfad zum verheissenen Ort.
Doch der Mann warnte uns davor, es auch nur zu versuchen. Es würde unser Ende bedeuten.
Er zeigte uns ein Video von all den Monstern, die in dieser dunklen Passage auf uns lauern würden. Ein Bild daraus hat sich in meinen Kopf eingebrannt: Ein Elefant.
Aber kein gewöhnlicher Elefant. Ein Raubtier. Ein gewaltiger Raubelefant, der gerade eine terrestrische Krake frass. Ein Biest, das von einem anderen Biest verschlungen wurde.
Und davon sollte es dort noch mehr geben.
Kreaturen, die uns im Tunnel mit Sicherheit töten würden.
Viele Reisende hatten sich bereits vorher verirrt. Und von den wenigen, die überhaupt bis zu diesem Zelt und damit zu dieser Information gelangten, drehten die meisten um. Sie gaben ihre Suche auf.
Sie kehrten zurück in die Welt, aus der sie gekommen waren.
So auch meine Begleitung.
Sie sagte: „Das ist nichts für mich. Ich bin noch nicht bereit dafür.“
Und sie ging zurück. Plötzlich stand ich allein da. Bis hierher waren wir gemeinsam gegangen. Doch diese Entscheidung konnte niemand für den anderen treffen.

Die Entscheidung

Für mich war klar: Ich würde gehen. Obwohl ich Angst hatte.
Angst vor dem Tunnel.
Angst vor den Kreaturen.
Angst davor, es nicht zu schaffen.
Das Merkwürdige war: Diese Passage war auf keiner meiner Karten eingezeichnet. Man fand sie entweder durch Zufall – oder weil jemand einem davon erzählte.
Vor mir lag die Felswand.
Der Eingang war von gewaltigen dunkelgrünen Dornranken umwachsen. Manche von ihnen waren so dick wie ein Oberschenkel und mit großen Stacheln übersät.
Alles wirkte finster. Undurchdringlich. Bedrohlich.
Auf meiner Seite der Passage war alles sicher.
Hier kannte ich die Welt.
Hier war meine Komfortzone.
Doch in mir war die untrügliche Gewissheit: Mein Weg führte dort hindurch.
Irgendwann spürte ich, dass der Zeitpunkt gekommen war.

Im Tunnel

Es war dunkel. Aber längst nicht so dunkel, wie ich erwartet hatte. Eigentlich konnte ich erstaunlich gut sehen. Schon kurz nach dem Eingang verzweigte sich der Weg. Ein Pfad führte nach links unten. Der andere nach rechts oben. Ich hatte keine Ahnung, welchen ich nehmen sollte. Doch mein Blick wurde wie von selbst vom rechten Weg angezogen. Also ging ich nach rechts.
Und plötzlich veränderte sich die Wirklichkeit.
Nichts sah mehr wirklich real aus.
Die Umgebung erinnerte mich auf einmal an ein altes Videospiel. Billig. Verpixelt. Künstlich.
Als wäre ich aus der wirklichen Welt in eine virtuelle Realität eingetreten.
Und während ich durch diesen Tunnel ging, verstand ich plötzlich:
Die Ängste sind nicht real.
Alles, was ich tun musste, war weiterzugehen.
Da waren keine Monster. Keine Raubelefanten. Keine Bestien.
Nur einige langsame, beinahe lächerliche Fallen, denen ich fast gemütlich ausweichen konnte.
Das war alles.
Und auch der Weg selbst war viel kürzer, als ich erwartet hatte.
Schon bald sah ich den Ausgang.
Ich trat auf der anderen Seite aus der Felswand heraus – und augenblicklich hatte die Welt wieder ihre normale Konsistenz.
Dort stand eine Frau. Sie kehrte mit einem Besen Laub vom Weg. Ganz selbstverständlich. Als wäre überhaupt nichts Besonderes geschehen. Ich war beinahe irritiert. Nach all den Warnungen. Nach all den Monstern. Nach all meiner Angst. Ich sah sie an und fragte: „Das war's?“
Ich war angekommen.

Was mir dieser Traum zeigte

Später musste ich immer wieder über diesen Traum nachdenken.
Vor allem über einen Gedanken:
Ich will da nicht hindurchgehen – und trotzdem weiss ich, dass genau dort mein Weg liegt.
Die Bedeutung: es sind gar nicht die Wege, die so schrecklich sind. 
Nur die Vorstellung von ihnen.
Die Geschichten darüber.
Die Bilder in unserem Kopf.
Die Monster, die wir erschaffen, lange bevor wir überhaupt einen Fuss in den Tunnel gesetzt haben.
Die Angst vor dem Pfad wird zum eigentlichen Horror – nicht der Pfad selbst.
Wir treffen eine Entscheidung.
Wir machen den ersten Schritt.
Dann noch einen.
Und während wir gehen entfaltet sich unser Weg und wir werden mit allem versorgt was wir dazu benötigen.
Irgendwo auf dem Weg entdecken wir die Courage und den Willen, die wir vorher verzweifelt gesucht haben. Und wir erkennen, dass wir sie bereits verkörpern - rein dadurch, dass wir bereits tun - trotz der Angst.
Doch die Entscheidung kann uns niemand abnehmen.
Meine Begleitung konnte nicht mitkommen.
Nicht, weil sie falsch entschieden hatte.
Sondern weil es nicht ihr Zeitpunkt war.
Manche drehen um.
Manche bleiben vor der Felswand stehen.
Und manche spüren trotz ihrer Angst: Ich muss dort hindurch.
Vielleicht kennst du diesen Moment.
Du kannst den Weg noch nicht vollständig sehen.
Du weißt nicht, was auf der anderen Seite wartet.
Alles in dir findet Gründe, weshalb du besser dort bleiben solltest, wo du bist.
Und trotzdem ist da etwas anderes.
Leise. Beharrlich. Ein Ruf.

Hörst du ihn? Bist du bereit, ihm zu folgen? 

Ich kann dir den Weg nicht abnehmen. Denn es ist dein ureigenster Weg und nur du kannst ihn gehen.
Aber ich kann dich dabei begleiten, ihn zu finden, deinen inneren Kompass auszurichten und auch dann weiterzugehen, wenn vor dir scheinbar eine Wand aus Dornen steht.

 

 

 

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Lukas Stefan Ackermann

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