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Deine dritten Gedanken

Unterscheidest du die Qualität deiner Gedanken? Die ersten Gedanken kommen aus deiner Konditionierung. Die zweiten aus deinem Bewusstsein. Die dritten aus deiner Verbindung.

Lukas Stefan Ackermann
Farnern, Schweiz

Es gibt Tage, da scheint der Kopf niemals still zu sein.

Kaum ist ein Gedanke vorbei, folgt schon der nächste. Erinnerungen. To-do-Listen. Sorgen. Alte Gespräche. Vorstellungen darüber, was andere von uns denken könnten. Was wir über andere denken. Kurzvideos. Erinnerungsfetzen. Manchmal tauchen sogar Sätze auf, bei denen wir uns ernsthaft fragen:

Woher kommt das jetzt eigentlich?

Je mehr ich mich mit Wahrnehmung beschäftige, desto klarer erkenne ich, dass nicht alle Gedanken die gleiche Qualität besitzen.

Ich unterscheide für mich drei Ebenen.

Die ersten Gedanken

Die ersten Gedanken sind das Grundrauschen. Oft sogar Lärm.

Sie laufen ständig im Hintergrund. Manche stammen aus alten Erfahrungen. Andere sind erlernte Überzeugungen. Wieder andere scheinen einfach zufällig durch den Kopf zu ziehen. Oft halten sie uns klein, bewerten oder vergleichen. Sie wiederholen Bekanntes und beschäftigen sich vor allem mit Vergangenheit oder Zukunft. Unser Denken ist erstaunlich stark von Gewohnheiten geprägt. Wir wiederholen dieselben Themen, Bewertungen und inneren Dialoge immer wieder.

Die meisten Menschen halten diese Gedanken für sich selbst.

Dabei sind sie häufig nichts anderes als Gewohnheiten des Gehirns.

Die zweiten Gedanken

Dann gibt es die zweiten Gedanken.

Sie beobachten die ersten.

Sie fragen:

"Warum denke ich das gerade?"

"Ist das überhaupt wahr?"

"Hilft mir dieser Gedanke?"

Hier beginnt Bewusstsein.

Die zweiten Gedanken schaffen einen kleinen Abstand zwischen dir und deinem inneren Lärm. Sie erinnern dich daran, dass du nicht alles glauben sollst, was in deinem Kopf auftaucht.

Sie öffnen die Tür zur Eigenverantwortung.

Und dann gibt es noch die dritten Gedanken.

Eigentlich ist dieser Begriff nicht ganz richtig.

Denn diese dritte Ebene fühlt sich nicht wie Denken an.

Sie ist leiser. Feiner. Unaufdringlich.

Vielleicht hörst du einen Satz in einem Lied.

Jemand sagt im Vorbeigehen einen Nebensatz.

Du liest eine einzige Zeile in einem Buch.

Plötzlich entsteht dieses stille innere Wissen:

Das war gerade wichtig.

Nicht laut.

Nicht dramatisch.

Nicht mit tausend Argumenten.

Sondern einfach klar.

Als würde etwas in dir sagen:

"Achte darauf."

Diese Momente lassen sich nicht erzwingen.

Sie erscheinen dann, wenn ein Teil unserer Aufmerksamkeit ruhig geworden ist und immer bei uns ruht. Wenn wir wirklich hinhören. Bei allem.

Eine andere Qualität

Mir ist bewusst, dass diese dritte Ebene eigentlich keine Gedanken sind.

Sie besitzen eine völlig andere Qualität.

Wenn ich sie wahrnehme, entstehen sie nicht dort, wo sich das übliche Gedankenkarussell dreht.

Es fühlt sich an, als kämen sie aus einem tiefen Raum in mir.

Wo sie wirklich herkommen weiss ich nicht, aber ich kann wahrnehmen wo sie sich bei mir zeigen. Nicht vorne im Kopf, wo analysiert und geplant wird.

Sondern weiter hinten, irgendwo im Nacken.

Es fasziniert mich immer wieder, wie unterschiedlich sich Wahrnehmung anfühlen kann, wenn wir beginnen, ihr wirklich Aufmerksamkeit zu schenken.

Wo zeigen sie sich bei dir?

Warum die Natur hilft

Besonders deutlich zeigen sich diese stillen Impulse draussen.

Beim Betrachten einer Blüte.

Beim Spiel der Blätter im Wind.

Am Wasser.

Auf einem Berg.

Beim Gehen durch den Wald.

Nicht, weil die Natur Antworten gibt.

Sondern weil sie den Lärm in uns leiser werden lässt, wenn wir uns ihrer Betrachtung hingeben.

Je stiller das Grundrauschen wird, desto leichter können wir diese feinen Hinweise wahrnehmen.

Den dritten Gedanken Raum geben

Du wirst nicht jeden dieser Momente bemerken.

Ich auch nicht.

Darum geht es gar nicht.

Es genügt, wenn du bereit wirst, ihnen Raum zu geben.

Mit der Zeit wächst diese Fähigkeit von selbst.

Nicht, weil du dich mehr anstrengst.

Sondern weil du lernst, stiller zu werden.

Und vielleicht wirst du dann entdecken, dass die wichtigsten Antworten selten laut sind.

 

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